Lucia Moholy

 

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Bildquelle: http://bauhaus-online.de/atlas/werke/lucia-selbstportrait

 

Lucia Moholy (1894—1989) war Publizistin, Fotografin und Dokumentaristin. Als Frau von László Moholy-Nagy lebte sie zusammen mit ihm am Bauhaus und leistete in seinem Schatten wichtige Arbeit nicht nur für ihn, sondern auch für die anderen Bauhaus-Künstler und für die Institution an sich. Sie trug im Wesentlichen dazu bei, dass die künstlerischen Ideen und Inhalte der Hochschule an die Öffentlichkeit getragen wurden. Ihre Fotografien prägen bis heute unser Bild vom Bauhaus.

 

 

Die Schattenfrau

 

Lucia Moholy beschäftigte sich mit dem, was heute wie damals im Versteckten bleibt — die Arbeit aller Publizisten, Verlage und Lektoren. Ihr Leben lang war sie im Verlagswesen tätig. Als 26-Jährige begleitete sie ihren Mann, den Künstler und Bauhaus-Meister László Moholy-Nagy, ans Bauhaus nach Weimar. Selbst wenn sie selten Erwähnung findet und weniger prominent als ihre Zeitgenossen ist, schrieb sie auch dort durch ihre Arbeiten als Autorin, als Meisterin des Formulierens, als Publizistin und als Fotografin die Bauhaus-Geschichte entscheidend mit. Als Vertraute von László Moholy-Nagy half sie ihm beim Ausdruck und der Verschriftlichung seiner Ideen. Am Bauhaus arbeitete sie an Texten für Bücher, Essays, Artikel, Besprechungen und Manifeste. Als junge Fotografin hielt sie zudem nicht nur die Werke, sondern auch die Bauhäusler selbst in Porträts fest. Ihre Begeisterung für Fotografie in theoretischer und praktischer Hinsicht führte zu unzähligen Dokumenten, die genau das festhalten, was am Bauhaus der frühen 1920er Jahre in Weimar und wenige Jahre später auch am Bauhaus in Dessau geschah. Heute gilt ihr Werk als authentische Dokumentation der damaligen Zeit: Lucia wurde zur Zeugin, wie Kunst- und Architekturgeschichte am Bauhaus neu geschrieben wurden.

 

 

Lucias Lebensweg

 

Lucia Moholy wurde 1894 in Prag geboren. Mit 18 Jahren erhielt sie die Lehramtbefähigung für Deutsch und Englisch. Sie schrieb sich für Philologie, Philosophie und Kunstgeschichte an der Prager Universität ein und verdiente sich in der Anwaltskanzlei ihres Vaters etwas dazu — solange, bis sie beschloss, selbstständig zu werden, für die damalige Zeit ein ungewöhnlicher Schritt. Als 21-Jährige inserierte sie in der Zeitung, woraufhin sie ihr erster Job Wiesbadener Verlagsanstalt führte. Lucia zog es allerdings weiter nach Leipzig, wo sie in verschiedenen Verlagen tätig wurde: bei B. G. Teubner, Kurt Wolff und Hyperion. Ihre Reise setzte sich über verschiedene Stationen fort, endete aber kaum fünf Jahre später vorläufig in Berlin. Dort arbeitete sie in einer Buchhandlung und fand eine Anstellung beim Rowohlt Verlag, um finanziell unabhängig zu bleiben.

 

Im April 1920 lernte Lucia den jungen ungarischen Künstler László Moholy-Nagy kennen. Kaum ein Jahr später, im kalten Berliner Januar 1921, heirateten sie. In den kommenden Jahren sollte Lucia alles daran setzen, ihren lang gehegten Wunsch zu verwirklichen und sich intensiv mit Fotografie zu beschäftigen. Sie folgte 1923 ihrem Mann László Moholy-Nagy nach Weimar, der als Meister von Gropius ans Bauhaus berufen wurde.

 

In dieser Zeit begann Lucia schließlich, in einem Fotoatelier zu arbeiten und sammelte erste Erfahrungen. Sie fotografierte die in den Werkstätten des Bauhauses entstandenen Arbeiten für verschiedene Publikationen. Zwischen 1925 und 1926 verbrachte sie einige Zeit in Leipzig an der Hochschule für Grafik und Buchkunst und vertiefte dort ihre Kenntnisse in Reproduktionstechniken. Sie folgte dem Bauhaus, als es nach Dessau umzog und fotografierte auch dort zwischen den Jahren 1925 und 1928 das Geschehen am Bauhaus.

 

In diesen Bauhaus-Zeiten entstehen die Arbeiten, die Lucia einen Ruf als akzeptable Dokumentaristen und Fotografin einbrachten; beispielsweise eine große Bilderserie vom Neubau des Bauhauses, die Bilder der Meisterhäuser, eine Vielzahl an Sachfotografien der Werkstattarbeiten und nicht zuletzt ihre Porträtserien von Freunden und Lehrenden des Bauhaus.

 

1928 zog Lucia schließlich mit László Moholy-Nagy zurück nach Berlin und arbeitete in einer Fotoagentur, als Bühnenfotografin und Fachlehrerin für Fotografie an der Itten-Schule. Lucia engagierte sich mit ihren eigenen Arbeiten und stellte schon zu dieser Zeit, beispielsweise bei der Werkbundausstellung »Film und Foto« in Stuttgart, aus. Kaum ein Jahr später jedoch folgte 1929 die Trennung von Lucia und László Moholy-Nagy.

 

1933 emigrierte Lucia mit Umwegen über Prag, Wien und Paris nach London. Dort angekommen, arbeitete sie als (Porträt-) Fotografin, Autorin und Dozentin für Fotografie. Im Laufe der Zeit beschäftigte sie sich mit verschiedenen Projekten und übernahm die Leitung für die Verfilmung von Dokumentationen; im Auftrag der UNESCO begleitete sie Projekte in Ländern des Nahen und Mittleren Ostens, wo sie sich stark für den Erhalt und die Archivierung nationalen Kulturguts einsetzte. Ende der 50er Jahre wanderte Lucia erneut aus und ging in die Schweiz, wo sie sich wieder verstärkt auf publizistische Tätigkeiten im Feld der Kunstkritik und -pädagogik konzentrierte. Mit ihren eigenen fotografischen Werken beteiligt sich Lucia zeitlebens an zahlreichen Ausstellungen und stellte ihre Arbeiten in den Dienst sozialen Engagements.

 

 

 

 

Quellen/Weblinks

 

Valdivieso, Mercedes (2000): Eine ›symbiotische Arbeitsgemeinschaft‹ und die Folgen — Lucia und László Moholy-Nagy. In: Berger, R. (2000): Liebe Macht Kunst. Künstlerpaare im 20. Jahrhundert, Köln/Weimar/Wien. S.65-85.

 

 http://www.bauhaus.de/bauhaus1919/biographien/lucia_moholy.html 
 http://bauhaus-online.de/atlas/personen/lucia-moholy