Eject 12

»Sphäre«

Sphäre, die
Altgr.: σφαῖρα (sphaira), Lat.: sphaera
Deutsch: Kugel, kugelrunder Körper, Ball, speziell Erd- oder Himmelskugel

 

Wir leben, arbeiten, handeln, glauben, wissen, schreiben, hören, denken, usf. in Sphären. Wir ziehen uns zurück in Privatsphären, spüren die sich (auf-)spannenden filmischen Atmosphären, fahren mit Schiffen durch Hydrosphären, erforschen mit Ballonsonden die Stratosphäre, entkommen niemals der Anthroposphäre und verwickeln uns in diverse weitere Mediasphären. Der Begriff führt eine lange Geschichte mit sich. Die Pythagoreer setzen dem Aberglauben unbeweglicher Planeten ihre Sphärenharmonie entgegen. Bereits diese frühe Kosmologie beinhaltet eine unmittelbare Verstrickung zwischen dem Menschen und seiner Umwelt. Andere Umraum-Konzepte erscheinen im Vergleich fast schon unvollständig. Das Milieu (fr. mi|lieu = Mitte, Umgebung) denkt zwar die Mitte und den Umraum immer schon zusammen, verbleibt aber dennoch in dieser Dichotomie. Die Sphäre hat nicht immer eine Mitte. Sie ist ein räumliches Phänomen, in das sich Menschen, Medien, Objekte und allerlei sonstige Agenten dynamisch verstricken. Sie müssen zeitweise sogar ihre Handlungsmacht an jene Sphären übergeben. Das Schiff, dass durch einen Sturm der nahenden Katastrophe gegenübersteht, sieht sich der vermeintlichen Willkür einer Hydrosphäre ausgesetzt. Régis Debray beschreibt mit dem Begriff der „Mediasphäre“ Handlungs- und Bedeutungskontexte, die sich um ein Medium herum bilden, die den Umgang mit ihm bestimmen und damit manchmal auch eine neue mediale Epoche einleiten können.

Die 12. Ausgabe der eject widmet sich den Sphären in diversen Spielarten. In einem Extra wird außerdem eine besondere Sphäre unseres Studiums beleuchtet: die Bauhausstraße 11 und ihre bewegte Geschichte im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus. In der neusten Rubrik „Studieren in Weimar“, beantworten zum Beispiel diverse Dozierende naive Fragen. Dr. Sabine Wirth, die neue Juniorprofessorin für Digitale Kulturen, erklärt uns, welche Schwerpunkte sie in den kommenden Jahren in Weimar setzen möchte. In der Rubrik „OT“ (OffTopic) kommen wieder unterschiedlichste Autor*innen zu Wort; von der Auseinandersetzung mit der Antibabypille bis zur Ordnungspraktiken finden sich allerlei Essays und Kritiken.

 

Redaktion
Jonas Böddicker
Amrei Paula Schöntag
Raphaela Marietta Gottselig
Melanie Aurelia Herbig

 

Layout & Design
Amelie Lucia Lippold

 

Autor*innen

Thema: Jonas Böddicker, Amrei Paula Schöntag, Nils Benjamin Jönck, Anna Lena Ruth Wißmüller, Lisa Bußler

Extra – Geschichte der Bauhausstraße 11: Lilli Isolde Hallmann, Ivana Buhl, Marius Fischer

Freie Texte: Shirin Dhear, Abena Freund, Rosa Rump und Johanna Prokoph, David Marc Jagella

168 Seiten
17 x 24 cm
Oktober 2022
Offsetdruck mit Klebebindung
ISSN 2192-5933

5,00 

Vorrätig